Tucholsky-Preisträger 2007

 Lothar Kusche. (Foto: privat)
Foto: privat (Hohe Auflösung)

  Lothar Kusche

geboren am 2. Mai 1929 in Berlin-Neukölln, ist ein deutscher Feuilletonist, Schriftsteller und Satiriker.

Kusche begann seine Laufbahn 1947 bei Zeitschriften wie "Ulenspiegel", "Fuffzehn" und "Frischer Wind" als Redakteur und schrieb später für den "Eulenspiegel" zahlreiche satirische Texte. Besonders verbunden war er mit der DDR-"Weltbühne", für die er seit 1950 schrieb und als deren stellvertretender Chefredakteur er auch für einige Zeit wirkte. Seinem Vorbild Kurt Tucholsky verpflichtet arbeitete Lothar Kusche bei der "Weltbühne" unter verschiedenen Pseudonymen, unter denen er Texte ganz unterschiedlichen Charakters, die aber stets den satirischen Einschlag nicht verkennen ließen, veröffentlichte.

Seine Geschichten, Feuilletons und Reisereportagen erschienen in zahlreichen Sammlungen, wie Das bombastische Windei, Käse und Löcher, Überall ist Zwergenland, Die Patientenfibel, Wie man einen Haushalt aushält und Was hat Napoleon auf St. Helena gemacht?. Die Gesamtauflage seiner Bücher beträgt mehr als 2,5 Millionen. Daneben schrieb Kusche für das Berliner Kabarett Die Distel sowie Szenarien für zahlreiche Filme, in denen er gelegentlich auch mitspielte.

Seit 1998 arbeitet Lothar Kusche vorrangig für den "Weltbühnen"-Nachfolger "Ossietzky", für den er auch unter dem inzwischen bekannten Pseudonym Felix Mantel seine sprachkritische Rubrik "Press-Kohl" fortsetzt.

Lothar Kusche erhält gemeinsam mit Otto Köhler den Tucholsky-Preis 2007 für sein Gesamtwerk.

Die Begründung der Jury:

Lothar Kusche, seit nunmehr sechzig Jahren Feuilletonist, Redakteur und Kabarettautor, hat die DDR 40 Jahre lang satirisch begleitet und kommentiert.

Durchaus in der Tradition Tucholskys stehend, haben Kusches urwüchsiger Humor und die spöttisch-zweifelnde Ironie des gebürtigen Berliners in zahllosen Texten und unter etlichen Pseudonymen ihren Niederschlag gefunden. Seit 1950 war er ständiger Mitarbeiter und zeitweise auch Redakteur der "Weltbühne" und hat wesentlich zu deren misstrauisch beäugter Popularität in der DDR beigetragen. Kusche ist auch nach der Wende ein kritischer Beobachter und Kritiker unserer Zeit geblieben, dessen in zahlreichen Büchern gesammelte Feuilletons den Lesern heute wie schon vor fünfzig Jahren mehr als nur Spaß bereiten.

Die Jury entschied einstimmig. Ihr gehörten an: Volker Braun, Daniela Dahn, Mathias Greffrath, Jan Eik und Susanna Böhme-Kuby.

Preisrede:
Die Dankesrede von Lothar Kusche

Veröffentlichungen (Auswahl):

Quer durch England in anderthalb Stunden. Illustrationen von Elizabeth Shaw. Berlin, Aufbau Verlag, 1961

Überall ist Zwergenland. Berlin, Aufbau Verlag, 1960

Eine Nacht mit sieben Frauen. Geschichten und Feuilletons. Berlin, Aufbau Verlag, 1964

Lothar Kusche's Drucksachen. Geschichten, Feuilletons und Satiren aus zwei Jahrzehnten. Illustrationen von Klaus Vonderwerth. Berlin, Eulenspiegel Verlag, 1976

Donald Duck siehe unter Greta Garbo. Einige Stichworte über Nordamerika. Illustrationen von Thomas Schleusing. Berlin, Eulenspiegel Verlag, 1981

Kein Wodka für den Staatsanwalt. Berlin, Aufbau Verlag, 1967

Der Mann auf dem Kleiderschrank. Geschichten und andere Späße. Berlin, Eulenspiegel Verlag, 1985

Nasen, die man nicht vergißt. Illustrationen von Elizabeth Shaw. Berlin, Eulenspiegel Verlag, 1987

Das verpaßte Krokodil. Geschichten und Feuilletons. Illustrationen von Klaus Vonderwerth. Berlin, Verlag Tribüne, 1988

Wo die Rosinenbäume wachsen, Berlin, Eulenspiegel Verlag 2004

Links:

Der Kabarettist Dietrich Kittner zum 75. Geburtstag Lothar Kusches

Lothar Kusches Werke im Katalog der "Deutschen Bibliothek"